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11.06.2009: “Latest news” von den “Scientists”

Donnerstag, 11. Juni 2009

 

09052009-11

Seit der Eröffnungsveranstaltung im April ist beim studentischen Kolleg „Science: Who cares?“ viel passiert. Nach zwei Monaten intensiver Workshop-Arbeit bietet es sich an, ein erstes Resümee zu ziehen.

 

Die Arbeitsgruppe 1 von „Science: Who cares?“ möchte durch eine qualitative Studie an Leipziger Schulen zur Verbesserung der Kommunikation zwischen Schule und Universität beitragen. Für die zehn Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus verschiedenen Studiengängen der Universität Leipzig war der Koordinationsbedarf sehr wichtig: Was soll erreicht werden? Wie kann dies erreicht werden? Ist das machbar, repräsentativ, wissenschaftlich? Diese und ähnliche Fragen machten die ersten eineinhalb Monate Kollegsarbeit aus. Nach zwei Sitzungen, die der internen Zielorientierung dienten, folgten zwei Workshoptermine zu Grundlagen und Methoden der qualitativen Sozialforschung. Dabei diskutierten die beiden Referenten Sebastian und Falk mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmer bereits auf Grundlage erster Fragestellungen. Diese werden nun vertieft und in einen konkreten Interviewleitfaden überführt.Zeitgleich läuft die Anfrage an Leipziger Schulen, ob sie an der Studie teilnehmen wollen. Die Zustimmung der Sächsischen Bildungsagentur hat die AG bereits.

Bis zum Ende des Sommersemesters wird weiterhin fleißig an Fragestellung und Interviewleitfaden gearbeitet, um im Oktober mit den Schulbefragungen beginnen zu können.

 

Ähnlich verlief die Eingangsphase von Arbeitsgruppe 2, an deren Beginn die Erarbeitung eines kritischen Fragenkatalogs zur Untersuchung der jeweiligen Institution stand. Im Mai besuchte die Gruppe das „Zeitgeschichtliche Forum“ (Leipzig) und kam nach eingehender Betrachtung der Dauerausstellung mit Herrn Prof. Dr. Eckert, Direktor des ZFL, ins Gespräch. Themenpunkte waren hierbei: die Verantwortung des Museums in der Zeichnung von Geschichtsbildern sowie die Funktion des Museums als Ort des Lernens oder „Belehrens“.

Anfang Juni besuchte die Gruppe, als zweite Institution, das „Deutschen Hygienemuseums“ in Dresden, dessen Vermittlungsaktivität als exemplarisches Beispiel für die richtige Balance zwischen Inszenierung und Information darstellt. Im Gespräch mit der stellvertretenden Direktorin, Frau Giesela Staupe, klang bereits der neue Anspruch an Museen für die Zukunft an, ein neues Selbstverständnis zu entwickeln. Im nächsten Schritt untersucht die Arbeitsgruppe 2 das Mathematik-Museum „Inspirata“, um den Erlebnisaspekt bei der museumspädagogischen Vermittlungsarbeit zu betrachten.

 

Arbeitsgemeinschaft 3 besuchte im Anschluss an die Eröffnungsveranstaltung von „Science: who cares?“ die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina in Halle. Dominate Themen waren hierbei das Selbstbild von Akademie und Wissenschaft  in der Gesellschaft sowie die Rechtfertigung der Politikberatung.

Mitte Mai folgte der Besuch der MDR Media City. Untersuchungsschwerpunkt bildete hierbei die Sendung „Hauptsache Gesund“. In Zusammenarbeit mit Referenten der Redaktion des Wissensformates untersuchte die Gruppe die Entwicklung des Wissenschaftsjournalismus am Beispiel einer populärwissenschaftlichen Fernsehsendung. Am Thema ihres dritten Arbeitsschwerpunktes arbeiten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer noch hinter verschlossenen Türen.

 

Mit dem Ende des Sommersemesters geht auch die erste arbeitsreiche Phase des Kollegs „Science: who cares?“ zu Ende. Viel bleibt noch zu tun.

Die Ergebnisse und weiteren Ideen des Kollegs können am 28. November beim Abschlussforum mit allen Interessierten diskutiert werden.

 

 

18.04.09 „Universität heißt forschendes Lernen“

Samstag, 18. April 2009

Volles Haus beim Start des studentischen Kollegs „Science: Who cares?“

Das erste studentische Projekt des Jubiläumsjahres der Universität Leipzig ist erfolgreich gestartet. In der voll besetzten Ratstonne der Moritzbastei eröffneten ca. 80 Gäste und Teilnehmer gemeinsam das in dieser Form einmalige Kolleg „Science: Who cares?“.
In seiner Begrüßung erläuterte Projektleiter Sven Jaros die Entwicklung und Anlage des Kollegs und dankte allen Beteiligten, vor allem aber dem Organisationsteam, für ihr herausragendes Engagement. Auf den wie-derholt geäußerten Vorwurf, die Fragestellung des Kollegs sei zu breit und unkonkret, konterte Jaros: „Natür-lich war sie das. Bis heute fehlten ja auch noch die Menschen, die dieses Projekt Wirklichkeit werden lassen sollten!“ Mit dem Start hätten die Teilnehmer nun die Möglichkeit, sich in einem freien und offenen Raum gleichberechtigt über die Frage nach dem Wert und Sinn von Wissenschaft auszutauschen. „Damit kommen wir dem, was Universität eigentlich sein sollte, sehr nah.“, stellte Jaros fest.
Prof. Dr. iur. Franz Häuser, Rektor der Universität Leipzig, dankte den Teilnehmer für ihre Ideen und ihre Teilnahme. Denn lange Zeit habe es so ausgesehen, als würde das Jubiläum der Universität nur als Veranstal-tung der Universitätsleitung gesehen. Aus den Fakultäten, den Instituten und vor allem von den Studierenden – der größten Gruppe der Universität – sei lange Zeit keine Rückmeldung gekommen. Erst mit der Initiative „Stu-dierende 2009 e.V.“ sei das Jubiläum von den Lernenden aufgegriffen und befördert worden. Dadurch werde die Vielfalt und die Kontraste in der Universität erst deutlich und der Öffentlichkeit ein adäquates Bild der Uni-versität vermittelt.
In Vertretung des Schirmherren Prof. Dr. Volker ter Meulen, Präsident der Nationalen Akademie Leopol-dina, begrüßte Prof. Dr. Gunnar Berg, Mitglied des Präsidium der Leopoldina, die Teilnehmer und wünschte für die Arbeit viel Erfolg. Die Akademie habe aus zwei Gründen großes Interesse an diesem Kolleg: Zum einen bemühe sie sich selbst, Wissenschaft in die Öffentlichkeit, in die Gesellschaft zu tragen. Zum ande-ren, so Berg, „entspricht dieses Kolleg dem, was Universität ist: Forschendes Lernen!“.
In der Einleitung zu seinem Festvortrag versprach Prof. Dr. em. Klaus Ahlheim, früherer Professor für Erziehungswissenschaft an der Universität Gesamthochschule Essen, den von Rektor Häuser erwähnten Kon-trasten einige hinzuzufügen. Er nahm die aktuelle Studienreform und insbesondere den Rücktritt des Mainzer Theologie-Professors Marius Reiser zum Anlass, um darüber zu resümieren, was das Leitbild und die gesell-schaftliche Verantwortung von heutiger Wissenschaft sein sollte. Der allgemein gängigen Verklärung des Humboldtschen Bildungs- und Universitätsideals erteilte er dabei eine klare Absage. Wer von 200 Jahren glücklicher Universitätsgeschichte spräche, vergesse die dunklen Jahre der NS-Zeit. Doch Ahlheim kritisierte auch die aktuelle Reform mit deutlichen Worten: „Die Bologna-Reform ist grundsätzlich und vollständig ge-scheitert: Es wurde auf Ausbildung gesetzt und Bildung abgeschafft.“ Allerdings sei der größte Fehler dafür bei seinem eigenen Berufsstand zu suchen, der zu Widerstand gegen Politik und Wirtschaft nicht in der Lage sei.
Für die Zukunft forderte Ahlheim von der Universität und ihren Angehörigen eine kritische Wissenschaft. Dafür seien zwei zentrale Grundsätze notwendig. „Zum einen braucht Ausbildung Bildung, sonst verkommt sie zu Ideologie.“ Zum zweiten sei politische Bildung notwendig, um zu Politik selbstbewusst Distanz wahren zu kön-nen. Als Antwort auf die Frage nach dem Sinn der Wissenschaft selbst zitierte der emeritierte Professor aus Bertholt Brechts Galilei: „Ich halte dafür, dass das einzige Ziel der Wissenschaft darin besteht, die Mühseh-lichkeit der menschlichen Existenz zu erleichtern.“ Für Ahlheim ist dies in der aktuellen Situation eine Leitlinie: „Das könnte die Überschrift für die Universität der Zukunft sein.“
Umrahmt wurde die Veranstaltung von der Dresdner Band „Stilbruch“ (www.stilbruch.tv), die mit ihrem dynamischen Auftritt musikalisch dem entsprach, was das Kolleg in den kommenden Monaten geistig leisten will.

15.04.09: Studentisches Kolleg “Science: Who cares?” nimmt feierlich seine Arbeit auf*

Samstag, 18. April 2009

Die Universität Leipzig wird 600 Jahre alt. “Jetzt wird es mal Zeit, nach dem Sinn dieser Institution und der darin betriebenen Wissenschaft zu fragen.”, dachten sich elf Studierende aus verschiedenen Fächern und machten sich an die Arbeit. Unter dem Dach von “Studierende 2009 e.V.” erarbeiteten sie das Konzept für das studentische Kolleg “Science: Who cares?” Nach neun langen Monaten der Vorbereitung fällt am Freitag nun endlich der Startschuss.
Wir laden Sie herzlich ein, an dieser Veranstaltung teilzunehmen:

*Datum: 17. April 2009
Uhrzeit: 20 Uhr
Ort: Moritzbastei, Ratstonne

*Der Rektor der Universität Leipzig, Prof. Dr. iur. Franz Häuser, wird die Veranstaltung mit einigen einleitenden Worten zum diesjährigen Universitätsjubiläum eröffnen. In Vertretung des Schirmherren wird Prof. Dr. Gunnar Berg aus dem Präsidium der Leopoldina ein Grußwort sprechen. Gastreferent Prof. Dr. em. Klaus Ahlheim, früherer Professor für Erziehungswissenschaft an der Universität Gesamthochschule Essen, wird zum Thema der Wechselbeziehungen Dankbarkeit und Respekt von Studierenden und ihrer Institution sprechen. Für eine angenehme, abwechslungsreiche Atmosphäre sorgt die Band “Stilbruch”.

*Das Projekt*
Um die Frage nach dem Sinn von Wissenschaft möglichst vielfältig und kritisch beantworten zu können, wer-den bei “Science: Who cares?” drei Arbeitsgruppen die Schnittstellen zwischen Wissenschaft und Gesell-schaft untersuchen:

*AG 1: Die Vermittlung von Wissen in der Schule zwischen gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Ansprüchen

Schulen werden immer mehr zum Brennpunkt gesellschaftsumspannender Konflikte einerseits und politischer Reform-rhetorik andererseits. Hier sollen nun die Praktiker an den regionalen Schulen zu Wort kommen: Anhand qualitativen Studie können Schüler und Lehrer ihre Erfahrungen, Meinungen und Erwartungen mitteilen. Eine solche Studie ist drängend, denn die Praxis zeigt, dass die Umstellung der Studiengänge auf Bachelor und Master im Zuge der Bologna-Reform keine Antwort auf die Anforderungen gibt, die an die Neuorientierung der Lehramts-Ausbildung gestellt werden.

*AG 2: Der Dialog zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit in der Ausdrucksform einer Ausstellung* Der Besuch einer Ausstellung kann (und sollte) wissenschaftliche Inhalte vermitteln und Interesse am Gegenstand wecken, sowie  – und dieses Ziel wird allgemein unterbewertet — Unterhaltung bieten. Die teilnehmenden Studierenden werden über das Jahr hinweg drei Museen (mathematisch-naturwissenschaftliches “Science-Center Inspirata”,
Leipzig; Zeitgeschichtliches Forum, Leipzig; Hygiene Museum, Dresden) besuchen, um dort die Vermittlungsstrategien wissenschaftlicher Inhalte zu untersuchen.

*AG 3: Die Gesellschaftliche Stellung und Wahrnehmung von Wissenschaft in den Medien*

Anhand ausgewählter Kontroversen aus verschiedenen Wissenschaftsbereichen soll der gesellschaftliche Diskurs zwischen Wissenschaft und ihren Kritikern diskutiert werden. Aktuelle Diskussionen in den Medien, wie etwa um die Ein-richtung der Nationalen Akademie der Naturforscher, die Finanzkrise oder populäre Wissenschaftssendungen, werden analysiert und in ihren kulturellen, politischen und historischen Kontext eingeordnet.

Unter den Studierenden der Universität Leipzig wurde das Projekt begeistert aufgenommen. Trotz großem Prüfungsstress und Studienalltag haben sich 30 Studierende aus über 20 Fachrichtungen angemeldet. “Wir merken, dass vielen Studierenden unsere Fragen im Kopf herumschwirren. Alle, die über den Sinn ihres Studi-ums grübeln und zweifeln, bekommen bei uns eine produktive Plattform.”, so Sven Jaros, Projektleiter von “Science: Who cares?”

Zahlreiche Fachwissenschaftler haben sich dem Projekt angeschlossen, um die Möglichkeit der kritischen Re-flexion über Wissenschaft und die Zusammenarbeit mit engagierten Studierenden zu nutzen. Auch die Univer-sitätsleitung hat das Potential erkannt und übernimmt ebenso wie die Sparkasse Leipzig die finanzielle Absicherung des Kollegs. Die Erlebnisse und Ergebnisse der Arbeitsgruppen werden Ende November bei einer Abschlusstagung präsentiert und im Anschluss in einer Sammelpublikation erscheinen.
Selbst außerhalb der Universität trifft das Projekt auf große Resonanz: Die Schirmherrschaft hat Prof. Volker ter Meulen, Präsident der Nationalen Akademie der Naturforscher Leopoldina, übernommen. Die Fragen der drei Arbeitsgruppen sprächen Themen an, “die die gesamte Gesellschaft interessieren, verfolgen und bewegen.”, so ter Meulen. Auch die sächsische Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst, Dr. Eva-Maria Stange, begrüßte das Engagement der Studierenden und unterstützt es ideell.

*Der Verein “Studierende 2009 e.V.”*
Die Eröffnung des Kollegs ist auch der Startschuss für die 15 Projekte des Vereins “Studierende 2009 e.V.”, Der Verein hat es sich zur Aufgabe gemacht, Projekte zum Unijubiläum anzuregen, zu veranstalten und zu unterstützen. Die deutschlandweit einmalige Initiative zum Universitätsjubiläum will die kritische Auseinander-setzung mit der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Universität Leipzig im Rahmen der Feierlichkeiten und Feste ermöglichen.

Für Rückfragen und weitere Informationen steht Ihnen der Projektleiter Sven Jaros (01577/1901865, sjaros@uni-leipzig.de) gern zur Verfügung.